Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Ortsgruppe Lünen

Geräumt für Autos - vereist für Radfahrer

Das Prädikat „Ausgebremst“ geht in diesem Monat eindeutig an Schnee und Eis auf den Radwegen.

Preussenstraße, Januar 2026 © ADFC RB

Januar 2026: Lünen liegt unter einer dünnen, aber hartnäckigen Schneedecke. Kein Winterchaos, keine Ausnahmesituation – einfach ein paar frostige Tage, wie wir sie hier jedes Jahr kennen. Die Autofahrerinnen und Autofahrer konnten trotzdem weitgehend problemlos unterwegs sein. Die Hauptfahrbahnen waren geräumt, gestreut und meist schon am frühen Morgen wieder gut befahrbar.

Ganz anders sah es auf vielen Radwegen aus.

Wer in diesen Tagen mit dem Fahrrad auf Lüner Straßen unterwegs war, musste feststellen: Die Radwege blieben über Tage hinweg glatt, vereist oder von festgefahrenem Schnee bedeckt. Drei Straßen (die Bebelstraße, die Preußenstraße und die Kamener Straße) stehen dabei nur exemplarisch für eine Situation, die Radfahrende im gesamten Stadtgebiet erleben – von der Innenstadt bis in die Wohnviertel. Es ist kein lokales Problem einzelner Strecken, sondern ein flächendeckendes Muster.

Allerdings ist ein vereister Radweg keine Kleinigkeit, sondern ein reales Sturzrisiko – vor allem für ältere Menschen, für Alltagsradler, für Kinder auf dem Schulweg. Wer bei Eis ausweicht und auf die Fahrbahn fährt, wird dort schnell als „Störer“ wahrgenommen, obwohl er schlicht versucht, nicht zu stürzen. So entstehen Konflikte, die eigentlich vermeidbar wären.

Die Fotos aus diesen drei Straßen machen sichtbar, wie der Radverkehr in Lünen im Winter systematisch benachteiligt wird. Während der motorisierte Verkehr offensichtlich höchste Priorität genießt, bleiben Radwege oft tage- und wochenlang liegen – im wahrsten Sinne des Wortes. Dabei ist die Lage eigentlich klar: Radwege gehören zur Verkehrsinfrastruktur. Sie sind keine Freizeitwege und keine optionalen Zusatzflächen, sondern Teil des Netzes, das Menschen täglich für Arbeit, Schule, Einkaufen und Termine nutzen. Wer ernsthaft möchte, dass mehr Menschen auch im Winter aufs Fahrrad steigen, muss diese Wege genauso behandeln wie die Fahrbahnen für Autos.

Niemand erwartet, dass jeder Radweg in jeder Minute perfekt schneefrei ist. Aber mehrere Tage lang vereiste Hauptachsen wie Bebelstraße, Preußenstraße und Kamener Straße – und ebenso viele andere Straßen in Lünen – sind kein Naturereignis. Sie sind eine Frage von Prioritäten. Hier fragt es sich, warum jeder Hausbesitzer verpflichtet ist, Schnee und Eis vor seiner Tür zu räumen – die Stadt für sich aber eine entsprechende Verpflichtung auf Radwegen nicht sieht? 

Lünen spricht gern von nachhaltiger Mobilität und Verkehrswende. Doch im Winter zeigt sich, wie ernst es damit wirklich ist. Solange Autos freie Fahrt haben und Radfahrerinnen und Radfahrer auf glatten, gefährlichen Wegen sich selbst überlassen bleiben, ist das kein gleichberechtigter Verkehr – sondern ein klarer Fall von Ausgebremst.

Der ADFC Lünen fordert deshalb:
Radwege müssen im Winterdienst verbindlich gleichrangig behandelt werden. Wer sichere Wege für Autos schafft, muss auch sichere Wege für Fahrräder schaffen – sonst bleibt die Verkehrswende eine Schönwetter-Ankündigung.

Downloads

Bebelstraße, Januar 2026

Copyright: ADFC RB

3500x2329 px, (JPG, 4 MB)

Kamener Straße Januar 2026

Kamener Straße Januar 2026

Copyright: ADFC RB

3500x2329 px, (JPG, 3 MB)

3500x2329 px, (JPG, 3 MB)


https://luenen.adfc.de/neuigkeit/geraeumt-fuer-autos-vereist-fuer-radfahrer

Bleiben Sie in Kontakt